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Bleichheim, das vom Bleichbach durchflossene Dorf, liegt zwischen Reben und Wald am Übergang zu den bewaldeten Buntsandsteinvorbergen des Schwarzwaldes. In Bleichheim berühren sich Geschichte und Gegenwart aufs Innigste. Historische Strukturen, die sich in Gebäuden und Besitzverhältnissen niedergeschlagen haben, überdauerten Jahrhunderte.

Auf der Südostseite des Dorfes erhebt sich über steilen Buntsandsteinfelsen die Ruine Kirnburg, die von ca. 1200 bis 1352 Residenz der Herren von Üsenberg war. Die ältesten Teile der Burg stammen aus der Zeit der Staufer. Bei Sanierungsarbeiten wurde die noch vorhandene, spärliche Bausubstanz gesichert. Wertvolle Ofenkachelfunde und Reste von Tafelgeschirr illustrieren die Lebensweise und Wohnkultur der Zeit des 13. bis 16. Jahrhunderts. Die Fundstücke sind im Heimatmuseum Bleichheim ausgestellt. Schon seit Anfang des 16. Jahrhunderts ist die Burg nicht mehr dauerhaft bewohnt.

Unterhalb der Kirnburg erheben sich aus dem Waldgelände des "Kastenbucks" die Reste einer Vorgängerburg, deren Strukturen neuerdings auf Grund exakter Einmessungen erkannt werden konnten. Neben einem Turmhügel und Wällen sind die Grundmauern eines 10 x 20 Meter messenden Gebäudes zu sehen.

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Das auf der anderen Seite des Dorfes an der Straße nach Broggingen liegende, ehemalige Kageneck`sche Schlossgut mit Herrenhaus, Herrenmühle und Zehntscheuer erinnert an die Grafen von Kageneck, die von 1682 bis in die badische Zeit die Grundherrschaft über Bleichheim ausübten. Im Jahre 1682 verlieh Kaiser Leopold I. dem Statthalter der vorderösterreichischen Lande, Johann Freiherr von Kageneck, für sich und seine männlichen Nachkommen das Dorf Bleichheim mit allen Rechten samt den beiden Höfen Kürnberg und Streitberg. 1736 kam noch das Patronatsrecht über die Kirche in Bleichheim hinzu, das zuvor das Kloster Alpirsbach und der Herzog von Württemberg besaßen.

 
bleichh 4Aus der jüngeren Geschichte ist die kath. Pfarrkirche St. Hilarius zu erwähnen. Sie wurde 1825 nach Plänen des großherzoglichen Baumeisters Christoph Arnold, eines Schülers Friedrich Weinbrenners, im klassizistischen Weinbrennerstil errichtet.

Die alte romanische Kirche stand in der Mitte des heutigen Friedhofes, neben dem Pfarrhof, der mit seinem Grundbesitz auf den mittelalterlichen Herrenhof hinweist. Dort hatten schon die Römer, nach den Bodenfunden zu schließen, einen Gutshof errichtet. Andere Bodenfunde, die im Bereich der Rebflurbereinigung "Rebeneck" gemacht wurden, beweisen die frühgeschichtliche Besiedelung der Anhöhe zwischen Bleichheim und Broggingen.

Das in alten Siegeln überlieferte Ortswappen zeigt in gespaltenem Schild die österreichische Binde und daneben als Ortszeichen Pflugschar und Senseneisen. Damit ist auch die über 400jährige Zugehörigkeit zu Vorderösterreich dokumentiert.

Bleichheim ist mit 737 ha Gemarkungsfläche und 405 ha Wald neben der Kernstadt der flächengrößte und waldreichste Stadtteil. Bis ins letzte Jahrhundert hatte das Dorf auch mehr Einwohner als die anderen Bleichtalge-meinden.

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Bleichheim war früher ein Bauern- und Handwerkerdorf mit ansehnlicher Gastronomie an der durchziehenden Landstraße. Viele Sandsteinbrüche lieferten nicht nur den Steinhauern Arbeit, sondern auch den Bauern einen Nebenverdienst durch den Transport der gebrochenen Sandsteine. Heute werden Acker- und Weinbau fast nur noch im Nebenerwerb betrieben.

Früher war der Bleichbach, der auf viele Kilometer die Gemarkung durchzieht, an mehreren Stellen aufgestaut. Über Mühlbäche, die noch zum Teil vorhanden sind, wurden Wasserräder und später auch Turbinen betrieben. Bis auf die "Glöcklemühle" sind alle aufgegeben worden.

 

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Im alten Dorfkern sind noch manche stattliche Gehöfte mit Fachwerk- oder Steinwohnbauten und traditionellen Wirtschaftsgebäuden erhalten geblieben. Scheunen und Stallungen, meist ohne Vieh, weisen auf die ehemalige Bedeutung der Landwirtschaft hin. Andere Gebäude wurden umgebaut und von der landwirtschaftlichen Nutzung in Wohnfunktionen übergeführt. Da oder dort sind auch noch Reste alter Handwerksbetriebe zu erkennen.

Seit einigen Jahrzehnten hat sich das Dorf zu einer Wohn- und Pendlergemeinde entwickelt. Am unteren und oberen Dorfende entstanden in guter Wohnlage die Neubaugebiete Oberbreite, Oberärmel und Unterbreite. Es wurden aber auch Baulücken geschlossen und historische Fachwerkbauten renoviert.

Die der Daseinsvorsorge dienenden Infrastrukturen wurden erweitert und neue aufgebaut. Neben der Kirche entstand schon vor Jahrzehnten die Kirnburghalle für sportliche und kulturelle Bedürfnisse. Später kam ein Spielplatz und neuerdings der katholische Kindergarten "St. Marien" hinzu.

Teile der Hauptstraße und einige Seitenstraßen wurden kanalisiert und verkehrsberuhigend saniert, ein kleiner Dorfplatz entstand. Weitere Maßnahmen sind vorgesehen.

Das dörfliche Miteinander zeigt sich vor allem bei Festen und Feiern, die von den kirchlichen Organisationen und den kulturellen und sportlichen Vereinen getragen werden.


(Friedrich Hinn)
Quelle: Stadt Herbolzheim